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Wilhelm-von-Oranien-Schule Dillenburg

Lernen in Vielfalt -
Leben in Verantwortung

Schuldokumente

Info-Broschüre

Umfangreiche Broschüre mit allgemeinen Informationen zur WvO.

Broschüre in hoher Qualität (ca. 32 MB)

 

Schulordnung

Nutzungsvertrag für digitale Endgeräte

Nutzungsregeln für digitale Endgeräte

Die Nutzungsregeln für digitale Endgeräte wurden folgendermaßen festgelegt:

  •  Jahrgänge 5-8: Für diese Altersgruppe ist die Nutzung von mobilen digitalen Endgeräten (Smartphones, Tablets…) während der Schulzeit nicht gestattet.
  •  Jahrgänge 9-10: Die Nutzung von Smartphones ist nicht erlaubt. iPads sind ab dieser Jahrgangsstufe stark in den Schulalltag eingebunden und dürfen sowohl im Unterricht als auch in Freistunden und der Mittagspause für unterrichtliche Zwecke eingesetzt werden. Während der großen Pausen ist die Nutzung dieser Geräte untersagt.
  • Oberstufe: Hier gilt eine erweiterte Nutzungsregelung: Smartphones sind in Freistunden und der Mittagspause gestattet. In den großen Pausen ist die Smartphone-Nutzung ausschließlich im Oberstufenraum erlaubt. Tablets und Notebooks können grundsätzlich verwendet werden.

Der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Endgeräten ist fester Bestandteil der Medienerziehung in allen Jahrgangsstufen. Schülerinnen und Schüler erlernen den richtigen Umgang mit Smartphones und Tablets als wichtige Zukunftskompetenzen. Lehrkräfte können daher z. B. den gezielten Einsatz privater Smartphones zu Unterrichtszwecken erlauben – auch in der Sekundarstufe I.

Das Mitführen von Smartphones in der Schultasche ist in allen Jahrgangsstufen gestattet, sofern sie stumm geschaltet sind. Eine private Nutzung in begründeten Einzelfällen, beispielsweise aus medizinischen Gründen oder im Notfall, bleibt zulässig.

Bei unzulässiger Nutzung in den Jahrgangsstufen 5-10 wird das Gerät bis zum Ende des Schultages einbehalten. So ist gewährleistet, dass beispielsweise digitale Bustickets für den Heimweg verwendet werden können. In der Oberstufe kann bei unzulässiger Nutzung das Gerät ebenfalls vorübergehend einbehalten werden.

Gerne stellen wir Ihnen zur Thematik eine Übersicht über die Nutzungsregeln sowie ein Empfehlungsschreiben des Staatlichen Schulamts zur Verfügung, welches unter anderem verschiedene Links und nützliche Tipps zum Umgang mit Smartphones enthält:

Grundsatzerklärung

Kommunikationsplan der Schule

Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt und zur Gewaltprävention

WvO bei Wikipedia

Auch bei Wikipedia finden Sie Informationen über unsere Schule.

Sicherheit des Schulwegs

Regelungen bei Schnee- und Eisglätte

Gemeinsam vor Infektionen schützen

Belehrung für Eltern und sonstige Sorgeberechtigte durch Gemeinschaftseinrichtungen gemäß § 34 Abs. 5 Satz 2 Infektionsschutzgesetz

Eine kurze Geschichte der Wilhelm-von-Oranien-Schule

Die Geschichte unserer Schule

Das genaue Gründungsdatum unserer Schule ist nicht bekannt, es ist jedoch sicher, dass es zwischen 1535 und 1538 festzusetzen ist. Dabei gehen wir im Allgemeinen von dem Jahr 1537 aus. Zu dieser Zeit wurde unsere Schule als Lateinschule bezeichnet, in der lediglich Latein, Religion und Musik unterrichtet wurden.

Das Geld für die Errichtung einer solchen "öffentlichen" Schule stammte von Graf Wilhelm dem Reichen von Nassau. Schon zu dieser Zeit fanden die Leistungen der Lehrer und Schüler große Anerkennung.

Somit erlebte sie im 16. Jahrhundert auch eine gewisse Blüte, musste sich aber im 17. Jahrhundert mühsam behaupten. Negative Auswirkungen auf die Schule waren zu dieser Zeit, als sie zu einer "Stadtschule" wurde, vor allem die verheerende Pest wie auch der 30jährige Krieg. Eine neue Blüte erlebte sie im 18. Jahrhundert, als sie vom Fürsten Wilhelm V. zu einem Akademischen Pädagogium (drei Klassen) erhoben wurde.

Mit der Zeit kamen immer mehr Fächer hinzu, jedoch dominierten nach wie vor die "alten" Sprachen. Zur napoleonischen Zeit gab es finanzielle Engpässe und die Schule wurde im Jahre 1817 zu einer "niederen Gelehrtenschule" herabgestuft. Die erste Schulbibliothek wurde im Jahre 1821 eröffnet.

Nachdem 1866 Nassau zur preußischen Provinz Hessen-Nassau geworden war, fand im Jahre 1867 die Erweiterung der Schule zu einem Progymnasium und 1874 schließlich zu einem Gymnasium statt, so dass 1876 das erste Mal Schüler als Abiturienten die Schule verließen.

Der Erste Weltkrieg und seine Folgen hatten auch Auswirkungen auf den Unterricht. 1922 gab es dann auch zum ersten Mal Schülerinnen an unserer Schule. Mit der Schulreform im Jahre 1937 wurde die Schule in eine "Staatliche Oberschule für Jungen" umgewandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie am 10.12.1945 als "Staatliches Realgymnasium" wiedereröffnet.

Am 21.11.1957 erfolgte schließlich aufgrund der herrschenden Raumnot der Umzug in das heutige Schulgebäude. Die offizielle Bezeichnung war "Gymnasium und Altsprachliches Gymnasium". 1958 erhielt unser Gymnasium den Namen "Wilhelm-von-Oranien-Schule", benannt nach dem Wilhelm I. von Oranien, der 1533 in Dillenburg geboren und später zum Befreier der Niederlande wurde. Die Niederländer verehren ihn heute noch als „Vater des Vaterlandes“.

Zusätzliche Klassenräume und eine Turnhalle wurden 1964 gebaut. Der Bau einer neuen, sehr viel moderneren Turnhalle wurde 1987 durchgesetzt, und 1998 entstand in unserer Schule eine große Pausenhalle (Forum).

Seit dem Jahr 2009 befindet sich die Wilhelm-von-Oranien-Schule in einem permanenten baulichen Modernisierungsprozess, der auch erst in einigen Jahren abgeschlossen sein wird:

Im Jahr 2009 offenbarten sich gravierende Baumängel in den Trakten A bis D der Schule, welche daraufhin abgerissen werden mussten und durch einen hellen und modern ausgestatteten Neubau, das sog. Hofgebäude, ersetzt wurden. Im September 2011 wurde das Gebäude mit rund 20 neuen Klassenräumen eingeweiht.

Im Sommer 2014 begann der Neubau eines größeren und funktional zeitgemäßeren Verwaltungstrakts entlang der Jahnstraße. Das Gebäude wurde 2016 in Dienst genommen und der alte Trakt abgerissen. Neben den Verwaltungsräumen befinden sich im Erdgeschoss des Neubaus vier weitere Unterrichtsräume sowie in architektonisch markanter Position an der Kreuzung Jahnstraße/Bundesstraße das Atrium als größerer Versammlungssaal für bis zu 200 Personen.

Am bisherigen Standort der Verwaltung wurde ab 2017 der neue Naturwissenschaftstrakt errichtet. Im Zuge dessen erhielt die Schule auch einen neuen Haupteingang mit einer repräsentativen Eingangshalle. Dieser Bauabschnitt wurde 2020 fertiggestellt und die alten naturwissenschaftlichen Unterrichtsräume an der Bundesstraße konnten im Sommer 2021 abgerissen werden.

Als nächstes stehen die grundhafte Sanierung des Altbaus Nord aus dem Jahr 1957 sowie die Sanierung des Mittelgebäudes entlang der Bundesstraße 277 an, das Ende der 70er Jahre entstand. Die Schule benötigt auch aufgrund der Ausweitung des Ganztagsangebots eine größere Mensa, die in den nächsten Jahren entstehen soll. 

Die Wilhelm-von-Oranien-Schule ist also einerseits eine Bildungseinrichtung mit langer Tradition, hat sich aber den Herausforderungen der Zeit immer gestellt und flexibel angepasst, um ihren Schülerinnen und Schülern stets eine optimale Perspektive in die Zukunft zu eröffnen.

Wer war Wilhelm von Oranien?

Hier finden Sie in einem Schülerprojekt mehr Informationen über den Namensgeber unserer Schule und berühmtesten Sohn der Stadt Dillenburg.

Der Dichter Roderich Feldes

Roderich Feldes

Der Schriftsteller Roderich Feldes wurde am 21. Dezember 1946 in Offdilln (heute zu Haiger gehörig) geboren und lebte in Eiershausen (Eschenburg). Mit nur 49 Jahren verstarb er an einem Hirntumor.

Bei seiner Beerdigung würdigte der Ortspfarrer Heim sein Werk so: „Er hat uns einen Spiegel vorgehalten.“  und „Er hat uns ein Denkmal gesetzt.“

Feldes‘ Thema war „Heimat“. Was das war und heute sein kann, was einen Menschen trägt, ist in einer globalisierten und digital vernetzten Welt hochaktuell. Aus seinen Erzählungen und Aufsätzen ist dazu viel zu erfahren.

Der Vater war Förster in Offdilln, sodass der Junge in dörflichen Strukturen aufwuchs. Als junger Mann und Autor gehörte er zu denen, die Ende der siebziger Jahre entdeckten, dass diese dörfliche Welt für immer verschwinden wird. In seinem ersten Roman „Lilar“ zitiert Feldes als sein Motto den mittelalterlichen Dichter Werner von Gartenaere: „Hier will ich sagen, waz mir geschach, daz ich mit minen ougen sach.“ (Hier will ich sagen, was sich ereignete, das ich mit meinen eigenen Augen sah.)

Schon zur Schulzeit am Dillenburger Gymnasium, der Wilhelm-von-Oranien-Schule (WvO), veröffentlichte Feldes seine ersten Texte, u.a. in der Schülerzeitung „Funzel“. Ein Jahr nach seinem Abitur 1967 erschien Feldes’ erster Gedichtband „haubergsnelken“ im Suhrkamp-Verlag. Seine Texte waren bereits von so hoher literarischer Qualität, dass er in den achtziger Jahren zu einem bundesweit beachteten Literaten wurde. Nach dem Abitur an der WvO studierte er in Gießen und Frankfurt Germanistik bzw. Linguistik sowie Philosophie und promovierte anschließend zum sprachwissenschaftlichen Thema „Das Wort als Werkzeug“. Nach erfolgreichem Abschluss dieser Arbeit zog er in seine Heimatregion zurück, zuletzt nach Eiershausen. Als ihm in den achtziger Jahren die Leitung der Kulturabteilung im Hessischen Rundfunk angeboten wurde, entschied er sich, nicht anzunehmen und hier zu bleiben. Auch dies zeigt seine Wertschätzung der „Heimat“.

Hier war dann sein Leben und Schreiben in vielfältiger Weise verknüpft. Seine Frau unterrichtete an einer Dorfschule und er war aktives Mitglied sowohl im Fußballverein als auch im Gesangverein. In all seine Werke sind Erfahrungen dieser Teilnahme am Dorfgeschehen eingegangen. So in seinem zweiten Roman „Das Verschwinden der Harmonie“, in dem er vom tragischen Ende des Gesangvereins „Harmonie“ erzählt: Ein Diebstahl der Vereinskasse gibt den Anlass, detektivisch Einblick in das Innere des Dorflebens zu nehmen. Das Buch wurde vom Fernsehen verfilmt, wie auch andere Werke von ihm.

Feldes‘ erster Roman jedoch heißt „Lilar“. Er erschien 1980 und hat viele biografische Bezüge zu seiner Kindheit und Schulzeit. Die Hauptfigur im Roman ist in einem Dorf mit dem Namen „Birkenroth“ aufgewachsen. Der Name „Lilar“ findet seine Erklärung in einer Schlüsselszene, in der der Protagonist vom Lehrer für seinen heimischen Dialekt mit dem rollenden „R“ verspottet wird. In einem der ersten Diktate in Katzenburg (gemeint ist Dillenburg) hatte er lila mit „r“ geschrieben. Als der Deutschlehrer die Hefte zurückgab, sagte er tief guttural: ‚Hrr, Christophehrr Wagnehrr, hiehrr ist dein Heft und lilahrr schrreibt man mit ohne Hrr‘. Die Klasse tobte, schrie vor Lachen. Lehrer haben im heimischen Raum in den fünfziger und sechziger Jahren den Kindern den Dialekt auszutreiben versucht und dies war dann auch noch mit Spott über die „Kulturform Dorf“ verbunden.

Der Roman „Lilar“ ist kein nostalgischer Dorfroman, auch wenn er eindringlich Erinnerungen an das alte Dorf beschwört. Der Roman erzählt von einer Enttäuschung. Die Hauptfigur flieht aus der Stadt Frankfurt und zieht wieder in seine Heimatregion, um wieder im Dorf zu leben. Es ist der Versuch einer Heimkehr. Er findet das Dorf radikal verändert vor. Es geht in dieser Folge um das, was den Zusammenhalt der Menschen bewirkt. Wenn im alten Dorf Menschen sich auf der Straße begegneten, riefen sich kurze Bemerkungen zu oder sie sprachen miteinander über das, was im Dorf aktuell war, oder was sie selbst betraf. Sie sprachen Dialekt. Das Wirtshaus war ein entscheidender Treffpunkt, an dem man sich begegnete, sich erzählte, sich kannte, sich stritt. Das Dorf und seine Geschichte bleiben nur lebendig, wenn es solche Orte gibt. Das Sterben der Gaststätten ist für das Gemeinwesen fatal.

Das Fernsehen hat seit Mitte der sechziger Jahre die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Jetzt spricht man mehr über die „taufrischen Medienereignisse, die unentwegt und unausweichbar konsumiert werden. Immer häufiger spricht man über etwas, immer seltener miteinander. Auch in Eiershausen schieben sich die Medien zwischen die Ereignisse und die Menschen, nehmen ihnen die unmittelbare Erfahrungsmöglichkeit. Man geht auf Distanz.“, schreibt Feldes 1980 in seinem Aufsatz über Eiershausen.  Ohne es zu merken, entfernt man sich dabei vom Dialekt. Das Dorf und seine Menschen, die unmittelbare Umgebung, verlieren an Gewicht.

Feldes beschreibt in seinen Texten den Wandel des dörflichen Lebens. Es geht um das langsame Verschwinden der Landwirtschaft in den sechziger Jahren. Die meisten Familien lebten von ihr. Das verband, das bildete das Lebensspektrum, das das Dorf umfasste. Man war auf den anderen angewiesen und half sich gegenseitig. Es musste schon etwas ganz Ungewöhnliches vorgefallen sein, wenn jemand im Dorf einen anderen angezeigte oder gar die Polizei geholt wurde, auch wenn man sich nicht immer grün war. Es gab eine selbstverständliche Verbindung von Mensch, Tier und Natur. Heute lesen wir von Nachbarschaftsprozessen, weil ein Hahn kräht, oder von Anzeigen, wenn ein Schäfer durch das Dorf zieht und die Herde kleine dunkle Kügelchen auf der Straße hinterlässt. Über den Verlust des Naturbezugs der Menschen wird heute viel nachgedacht und geschrieben.

In der Süddeutschen Zeitung führt Feldes einmal als Ursache des Entschwindens von Heimat auf „die Veränderungen, die der Wohlstand, die Motorisierung, die Versandhauskataloge, Bauwellen, Fernsehprogramme bewirkt haben und die Revolutionen gleichen, die (die) Demut und den Glauben an die Unabänderlichkeit ausgelöscht haben“. Dass man jetzt mehrmals den Beruf wechseln soll oder sich je nach Mode neu einrichtet, wegen einer Arbeitsstelle umziehen muss, daran dachte man einst nicht. Beständigkeit war ein Grundgefühl.

Alexander, die Hauptfigur im Roman „Lilar“, schmerzt, was von dem, was Heimat ausmacht, verschwindet:  Jeder anrückende Vermessungstrupp, jedes Baugeräusch lässt ihn spüren, „wie ein Stück Leben abstirbt“. An anderer Stelle beim Anblick der Vermesser einer gepflegten Streuobstwiese für ein Wochenendgebiet: „Da spür ich in mir einen Stich, als hätte ein Speer meinen Brustkorb durchschlagen.“

Es kam bis in die sechziger Jahre sehr selten vor, dass Städter aufs Dorf zogen und dort bauten. Innerhalb weniger Jahre änderte sich das und Feldes schreibt in seinem bekannt gewordenen Aufsatz „Das Knopfgießersyndrom“ aus den siebziger Jahren: „Die Neubauringe rundum sind schon auf das doppelte Volumen des alten Dorfes angewachsen. Dort werden die Haustüren auch tagsüber geschlossen gehalten und bei Einbruch der Dunkelheit die Rollos heruntergelassen. Da befleißigt man sich einer distanzierten Freundlichkeit, weiß nicht viel vom Nachbarn – die Automarke und wann er den Rasen mäht – und will auch nicht mehr wissen. Man will sich nicht mehr in die Töpfe gucken lassen. In den neuen Vierteln sind auch die Einheimischen in der Minderzahl: Ehemalige Kurgäste aus dem Ruhrgebiet, Beamte, Gewerbetreibende, Kaufleute aus den umliegenden Städten und Dörfern sind hierhergezogen, haben Ruhe gesucht und billiges Bauland gefunden. So wie die Nachbarn oft wenig voneinander wissen, wissen wollen, schwindet auch das Interesse für das Dorf, für die Anliegen der Gemeinde. Ein Indikator ist auch die schwindende Bereitschaft, in Dorfvereinen mitzuwirken, bei Kommunalwahlen zu kandidieren oder wenigstens wählen zu gehen. Zwischen 30 und 40 Prozent pendelt die Wahlbeteiligung bei Kommunalwahlen. Oft weiß man nicht mehr, wer im Gemeindeparlament sitzt. Dabei wäre vor Ort noch etwas zu bewirken. Die Aufmerksamkeit auf unsere unmittelbare Umwelt wird leicht abgezogen zu den neuen Nachbarn, die man noch weniger kennt, zu den ‚Nutzern‘ der sozialen Medien, zu den wechselnden Ereignissen auf der Welt, die man schnell wieder vergisst.“

Das letzte Kapitel des Romans „Lilar“ spielt im Forsthaus, dem Geburtshaus der Hauptfigur. Es ist inzwischen eine Diskothek geworden und sie heißt „Cracy Wood“. Hier trägt der Protagonist eine deutliche Mahnung vor, wie wachsam der Bürger sein muss, beim Gestalten des technischen Fortschritts. Es ist gewiss die Botschaft von Feldes. Da heißt es:

„Wenn eine Straße gebaut wird, ist keiner dafür verantwortlich. Die einen haben bloß den Verkehr gezählt, die anderen haben Richtlinien beschlossen, wie eine Straße beschaffen sein sollte bei einer bestimmten Verkehrsdichte. Wieder andere entwerfen Pläne, die von Gutachtern geprüft werden, die kleine Korrekturen anbringen (…) Ich will meinen Bogen noch zu Ende beschreiben, achte nicht auf die anderen, sag: Verantwortung können wir natürlich nicht einfach wupp! übernehmen, wir müssen uns wie unsere Vorfahren als ein Stück Natur begreifen, müssen uns wieder abhängig fühlen von natürlichen Größen, von der Zeit, vom Ort, an dem wir wohnen und mit dem wir so verbunden sein sollen wie ein Baum. Nur dann kann es uns schmerzen, wenn die Vermessungsautos kommen, die Bagger und Raupen. Wir sind ein Stück Natur, nur wird uns ausgetrieben, das zu sehen.“

Der Text ist gekürzt entnommen aus einer Beitragsserie von Albrecht Thielmann, Dillenburg, für die heimische Presse.

 

HOFFNUNG

wir sandsteinadler

unter normaluhren

bitten euch eintretende

um schneidezähne

aus elfenbein

da der regen unsere

krallen zerfraß

denn wir wollen gerüstet

sein für den tag

an dem wir über felsen

kreisen und jagen können

 

Dieses frühe Gedicht von Roderich Feldes auf der Gedenktafel entstammt dem Gedichtband „haubergsnelken“ von 1967. Auslöser für das Gedicht war der steinerne Wappenadler, der über dem Eingangsportal des Dillenburger Bahnhofs hängt und auf die eintretenden Fahrgäste herabschaut. Jeden Tag ging der Schüler Roderich unter diesem Adler in den Bahnhof.


Bericht zur Veranstaltung "Feldes for future?!":
https://www.wvo-dill.de/aktuelles/849-feldes-for-future.html?highlight=WyJmZWxkZXMiXQ

Übersicht über digitale Lernplattformen

Diese Übersichtenthält die digitalen Angebote, die ab dem Schuljahr 2025/2026 durch unser Formular zur gesammelten Einverständniserklärung abgedeckt werden und zu denen keine gesonderte Einverständniserklärung eingeholt werden muss.

Hierfinden Sie die entsprechend die digitalen Angebote ab dem Schuljahr 2026/2027.

Info-Broschüre

Umfangreiche Broschüre mit allgemeinen Informationen zur WvO.

Broschüre in hoher Qualität (ca. 32 MB)

 

Nutzungsregeln für digitale Endgeräte

Die Nutzungsregeln für digitale Endgeräte wurden folgendermaßen festgelegt:

  •  Jahrgänge 5-8: Für diese Altersgruppe ist die Nutzung von mobilen digitalen Endgeräten (Smartphones, Tablets…) während der Schulzeit nicht gestattet.
  •  Jahrgänge 9-10: Die Nutzung von Smartphones ist nicht erlaubt. iPads sind ab dieser Jahrgangsstufe stark in den Schulalltag eingebunden und dürfen sowohl im Unterricht als auch in Freistunden und der Mittagspause für unterrichtliche Zwecke eingesetzt werden. Während der großen Pausen ist die Nutzung dieser Geräte untersagt.
  • Oberstufe: Hier gilt eine erweiterte Nutzungsregelung: Smartphones sind in Freistunden und der Mittagspause gestattet. In den großen Pausen ist die Smartphone-Nutzung ausschließlich im Oberstufenraum erlaubt. Tablets und Notebooks können grundsätzlich verwendet werden.

Der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Endgeräten ist fester Bestandteil der Medienerziehung in allen Jahrgangsstufen. Schülerinnen und Schüler erlernen den richtigen Umgang mit Smartphones und Tablets als wichtige Zukunftskompetenzen. Lehrkräfte können daher z. B. den gezielten Einsatz privater Smartphones zu Unterrichtszwecken erlauben – auch in der Sekundarstufe I.

Das Mitführen von Smartphones in der Schultasche ist in allen Jahrgangsstufen gestattet, sofern sie stumm geschaltet sind. Eine private Nutzung in begründeten Einzelfällen, beispielsweise aus medizinischen Gründen oder im Notfall, bleibt zulässig.

Bei unzulässiger Nutzung in den Jahrgangsstufen 5-10 wird das Gerät bis zum Ende des Schultages einbehalten. So ist gewährleistet, dass beispielsweise digitale Bustickets für den Heimweg verwendet werden können. In der Oberstufe kann bei unzulässiger Nutzung das Gerät ebenfalls vorübergehend einbehalten werden.

Gerne stellen wir Ihnen zur Thematik eine Übersicht über die Nutzungsregeln sowie ein Empfehlungsschreiben des Staatlichen Schulamts zur Verfügung, welches unter anderem verschiedene Links und nützliche Tipps zum Umgang mit Smartphones enthält:

WvO bei Wikipedia

Auch bei Wikipedia finden Sie Informationen über unsere Schule.

Gemeinsam vor Infektionen schützen

Belehrung für Eltern und sonstige Sorgeberechtigte durch Gemeinschaftseinrichtungen gemäß § 34 Abs. 5 Satz 2 Infektionsschutzgesetz

Eine kurze Geschichte der Wilhelm-von-Oranien-Schule

Die Geschichte unserer Schule

Das genaue Gründungsdatum unserer Schule ist nicht bekannt, es ist jedoch sicher, dass es zwischen 1535 und 1538 festzusetzen ist. Dabei gehen wir im Allgemeinen von dem Jahr 1537 aus. Zu dieser Zeit wurde unsere Schule als Lateinschule bezeichnet, in der lediglich Latein, Religion und Musik unterrichtet wurden.

Das Geld für die Errichtung einer solchen "öffentlichen" Schule stammte von Graf Wilhelm dem Reichen von Nassau. Schon zu dieser Zeit fanden die Leistungen der Lehrer und Schüler große Anerkennung.

Somit erlebte sie im 16. Jahrhundert auch eine gewisse Blüte, musste sich aber im 17. Jahrhundert mühsam behaupten. Negative Auswirkungen auf die Schule waren zu dieser Zeit, als sie zu einer "Stadtschule" wurde, vor allem die verheerende Pest wie auch der 30jährige Krieg. Eine neue Blüte erlebte sie im 18. Jahrhundert, als sie vom Fürsten Wilhelm V. zu einem Akademischen Pädagogium (drei Klassen) erhoben wurde.

Mit der Zeit kamen immer mehr Fächer hinzu, jedoch dominierten nach wie vor die "alten" Sprachen. Zur napoleonischen Zeit gab es finanzielle Engpässe und die Schule wurde im Jahre 1817 zu einer "niederen Gelehrtenschule" herabgestuft. Die erste Schulbibliothek wurde im Jahre 1821 eröffnet.

Nachdem 1866 Nassau zur preußischen Provinz Hessen-Nassau geworden war, fand im Jahre 1867 die Erweiterung der Schule zu einem Progymnasium und 1874 schließlich zu einem Gymnasium statt, so dass 1876 das erste Mal Schüler als Abiturienten die Schule verließen.

Der Erste Weltkrieg und seine Folgen hatten auch Auswirkungen auf den Unterricht. 1922 gab es dann auch zum ersten Mal Schülerinnen an unserer Schule. Mit der Schulreform im Jahre 1937 wurde die Schule in eine "Staatliche Oberschule für Jungen" umgewandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie am 10.12.1945 als "Staatliches Realgymnasium" wiedereröffnet.

Am 21.11.1957 erfolgte schließlich aufgrund der herrschenden Raumnot der Umzug in das heutige Schulgebäude. Die offizielle Bezeichnung war "Gymnasium und Altsprachliches Gymnasium". 1958 erhielt unser Gymnasium den Namen "Wilhelm-von-Oranien-Schule", benannt nach dem Wilhelm I. von Oranien, der 1533 in Dillenburg geboren und später zum Befreier der Niederlande wurde. Die Niederländer verehren ihn heute noch als „Vater des Vaterlandes“.

Zusätzliche Klassenräume und eine Turnhalle wurden 1964 gebaut. Der Bau einer neuen, sehr viel moderneren Turnhalle wurde 1987 durchgesetzt, und 1998 entstand in unserer Schule eine große Pausenhalle (Forum).

Seit dem Jahr 2009 befindet sich die Wilhelm-von-Oranien-Schule in einem permanenten baulichen Modernisierungsprozess, der auch erst in einigen Jahren abgeschlossen sein wird:

Im Jahr 2009 offenbarten sich gravierende Baumängel in den Trakten A bis D der Schule, welche daraufhin abgerissen werden mussten und durch einen hellen und modern ausgestatteten Neubau, das sog. Hofgebäude, ersetzt wurden. Im September 2011 wurde das Gebäude mit rund 20 neuen Klassenräumen eingeweiht.

Im Sommer 2014 begann der Neubau eines größeren und funktional zeitgemäßeren Verwaltungstrakts entlang der Jahnstraße. Das Gebäude wurde 2016 in Dienst genommen und der alte Trakt abgerissen. Neben den Verwaltungsräumen befinden sich im Erdgeschoss des Neubaus vier weitere Unterrichtsräume sowie in architektonisch markanter Position an der Kreuzung Jahnstraße/Bundesstraße das Atrium als größerer Versammlungssaal für bis zu 200 Personen.

Am bisherigen Standort der Verwaltung wurde ab 2017 der neue Naturwissenschaftstrakt errichtet. Im Zuge dessen erhielt die Schule auch einen neuen Haupteingang mit einer repräsentativen Eingangshalle. Dieser Bauabschnitt wurde 2020 fertiggestellt und die alten naturwissenschaftlichen Unterrichtsräume an der Bundesstraße konnten im Sommer 2021 abgerissen werden.

Als nächstes stehen die grundhafte Sanierung des Altbaus Nord aus dem Jahr 1957 sowie die Sanierung des Mittelgebäudes entlang der Bundesstraße 277 an, das Ende der 70er Jahre entstand. Die Schule benötigt auch aufgrund der Ausweitung des Ganztagsangebots eine größere Mensa, die in den nächsten Jahren entstehen soll. 

Die Wilhelm-von-Oranien-Schule ist also einerseits eine Bildungseinrichtung mit langer Tradition, hat sich aber den Herausforderungen der Zeit immer gestellt und flexibel angepasst, um ihren Schülerinnen und Schülern stets eine optimale Perspektive in die Zukunft zu eröffnen.

Wer war Wilhelm von Oranien?

Hier finden Sie in einem Schülerprojekt mehr Informationen über den Namensgeber unserer Schule und berühmtesten Sohn der Stadt Dillenburg.

Der Dichter Roderich Feldes

Roderich Feldes

Der Schriftsteller Roderich Feldes wurde am 21. Dezember 1946 in Offdilln (heute zu Haiger gehörig) geboren und lebte in Eiershausen (Eschenburg). Mit nur 49 Jahren verstarb er an einem Hirntumor.

Bei seiner Beerdigung würdigte der Ortspfarrer Heim sein Werk so: „Er hat uns einen Spiegel vorgehalten.“  und „Er hat uns ein Denkmal gesetzt.“

Feldes‘ Thema war „Heimat“. Was das war und heute sein kann, was einen Menschen trägt, ist in einer globalisierten und digital vernetzten Welt hochaktuell. Aus seinen Erzählungen und Aufsätzen ist dazu viel zu erfahren.

Der Vater war Förster in Offdilln, sodass der Junge in dörflichen Strukturen aufwuchs. Als junger Mann und Autor gehörte er zu denen, die Ende der siebziger Jahre entdeckten, dass diese dörfliche Welt für immer verschwinden wird. In seinem ersten Roman „Lilar“ zitiert Feldes als sein Motto den mittelalterlichen Dichter Werner von Gartenaere: „Hier will ich sagen, waz mir geschach, daz ich mit minen ougen sach.“ (Hier will ich sagen, was sich ereignete, das ich mit meinen eigenen Augen sah.)

Schon zur Schulzeit am Dillenburger Gymnasium, der Wilhelm-von-Oranien-Schule (WvO), veröffentlichte Feldes seine ersten Texte, u.a. in der Schülerzeitung „Funzel“. Ein Jahr nach seinem Abitur 1967 erschien Feldes’ erster Gedichtband „haubergsnelken“ im Suhrkamp-Verlag. Seine Texte waren bereits von so hoher literarischer Qualität, dass er in den achtziger Jahren zu einem bundesweit beachteten Literaten wurde. Nach dem Abitur an der WvO studierte er in Gießen und Frankfurt Germanistik bzw. Linguistik sowie Philosophie und promovierte anschließend zum sprachwissenschaftlichen Thema „Das Wort als Werkzeug“. Nach erfolgreichem Abschluss dieser Arbeit zog er in seine Heimatregion zurück, zuletzt nach Eiershausen. Als ihm in den achtziger Jahren die Leitung der Kulturabteilung im Hessischen Rundfunk angeboten wurde, entschied er sich, nicht anzunehmen und hier zu bleiben. Auch dies zeigt seine Wertschätzung der „Heimat“.

Hier war dann sein Leben und Schreiben in vielfältiger Weise verknüpft. Seine Frau unterrichtete an einer Dorfschule und er war aktives Mitglied sowohl im Fußballverein als auch im Gesangverein. In all seine Werke sind Erfahrungen dieser Teilnahme am Dorfgeschehen eingegangen. So in seinem zweiten Roman „Das Verschwinden der Harmonie“, in dem er vom tragischen Ende des Gesangvereins „Harmonie“ erzählt: Ein Diebstahl der Vereinskasse gibt den Anlass, detektivisch Einblick in das Innere des Dorflebens zu nehmen. Das Buch wurde vom Fernsehen verfilmt, wie auch andere Werke von ihm.

Feldes‘ erster Roman jedoch heißt „Lilar“. Er erschien 1980 und hat viele biografische Bezüge zu seiner Kindheit und Schulzeit. Die Hauptfigur im Roman ist in einem Dorf mit dem Namen „Birkenroth“ aufgewachsen. Der Name „Lilar“ findet seine Erklärung in einer Schlüsselszene, in der der Protagonist vom Lehrer für seinen heimischen Dialekt mit dem rollenden „R“ verspottet wird. In einem der ersten Diktate in Katzenburg (gemeint ist Dillenburg) hatte er lila mit „r“ geschrieben. Als der Deutschlehrer die Hefte zurückgab, sagte er tief guttural: ‚Hrr, Christophehrr Wagnehrr, hiehrr ist dein Heft und lilahrr schrreibt man mit ohne Hrr‘. Die Klasse tobte, schrie vor Lachen. Lehrer haben im heimischen Raum in den fünfziger und sechziger Jahren den Kindern den Dialekt auszutreiben versucht und dies war dann auch noch mit Spott über die „Kulturform Dorf“ verbunden.

Der Roman „Lilar“ ist kein nostalgischer Dorfroman, auch wenn er eindringlich Erinnerungen an das alte Dorf beschwört. Der Roman erzählt von einer Enttäuschung. Die Hauptfigur flieht aus der Stadt Frankfurt und zieht wieder in seine Heimatregion, um wieder im Dorf zu leben. Es ist der Versuch einer Heimkehr. Er findet das Dorf radikal verändert vor. Es geht in dieser Folge um das, was den Zusammenhalt der Menschen bewirkt. Wenn im alten Dorf Menschen sich auf der Straße begegneten, riefen sich kurze Bemerkungen zu oder sie sprachen miteinander über das, was im Dorf aktuell war, oder was sie selbst betraf. Sie sprachen Dialekt. Das Wirtshaus war ein entscheidender Treffpunkt, an dem man sich begegnete, sich erzählte, sich kannte, sich stritt. Das Dorf und seine Geschichte bleiben nur lebendig, wenn es solche Orte gibt. Das Sterben der Gaststätten ist für das Gemeinwesen fatal.

Das Fernsehen hat seit Mitte der sechziger Jahre die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Jetzt spricht man mehr über die „taufrischen Medienereignisse, die unentwegt und unausweichbar konsumiert werden. Immer häufiger spricht man über etwas, immer seltener miteinander. Auch in Eiershausen schieben sich die Medien zwischen die Ereignisse und die Menschen, nehmen ihnen die unmittelbare Erfahrungsmöglichkeit. Man geht auf Distanz.“, schreibt Feldes 1980 in seinem Aufsatz über Eiershausen.  Ohne es zu merken, entfernt man sich dabei vom Dialekt. Das Dorf und seine Menschen, die unmittelbare Umgebung, verlieren an Gewicht.

Feldes beschreibt in seinen Texten den Wandel des dörflichen Lebens. Es geht um das langsame Verschwinden der Landwirtschaft in den sechziger Jahren. Die meisten Familien lebten von ihr. Das verband, das bildete das Lebensspektrum, das das Dorf umfasste. Man war auf den anderen angewiesen und half sich gegenseitig. Es musste schon etwas ganz Ungewöhnliches vorgefallen sein, wenn jemand im Dorf einen anderen angezeigte oder gar die Polizei geholt wurde, auch wenn man sich nicht immer grün war. Es gab eine selbstverständliche Verbindung von Mensch, Tier und Natur. Heute lesen wir von Nachbarschaftsprozessen, weil ein Hahn kräht, oder von Anzeigen, wenn ein Schäfer durch das Dorf zieht und die Herde kleine dunkle Kügelchen auf der Straße hinterlässt. Über den Verlust des Naturbezugs der Menschen wird heute viel nachgedacht und geschrieben.

In der Süddeutschen Zeitung führt Feldes einmal als Ursache des Entschwindens von Heimat auf „die Veränderungen, die der Wohlstand, die Motorisierung, die Versandhauskataloge, Bauwellen, Fernsehprogramme bewirkt haben und die Revolutionen gleichen, die (die) Demut und den Glauben an die Unabänderlichkeit ausgelöscht haben“. Dass man jetzt mehrmals den Beruf wechseln soll oder sich je nach Mode neu einrichtet, wegen einer Arbeitsstelle umziehen muss, daran dachte man einst nicht. Beständigkeit war ein Grundgefühl.

Alexander, die Hauptfigur im Roman „Lilar“, schmerzt, was von dem, was Heimat ausmacht, verschwindet:  Jeder anrückende Vermessungstrupp, jedes Baugeräusch lässt ihn spüren, „wie ein Stück Leben abstirbt“. An anderer Stelle beim Anblick der Vermesser einer gepflegten Streuobstwiese für ein Wochenendgebiet: „Da spür ich in mir einen Stich, als hätte ein Speer meinen Brustkorb durchschlagen.“

Es kam bis in die sechziger Jahre sehr selten vor, dass Städter aufs Dorf zogen und dort bauten. Innerhalb weniger Jahre änderte sich das und Feldes schreibt in seinem bekannt gewordenen Aufsatz „Das Knopfgießersyndrom“ aus den siebziger Jahren: „Die Neubauringe rundum sind schon auf das doppelte Volumen des alten Dorfes angewachsen. Dort werden die Haustüren auch tagsüber geschlossen gehalten und bei Einbruch der Dunkelheit die Rollos heruntergelassen. Da befleißigt man sich einer distanzierten Freundlichkeit, weiß nicht viel vom Nachbarn – die Automarke und wann er den Rasen mäht – und will auch nicht mehr wissen. Man will sich nicht mehr in die Töpfe gucken lassen. In den neuen Vierteln sind auch die Einheimischen in der Minderzahl: Ehemalige Kurgäste aus dem Ruhrgebiet, Beamte, Gewerbetreibende, Kaufleute aus den umliegenden Städten und Dörfern sind hierhergezogen, haben Ruhe gesucht und billiges Bauland gefunden. So wie die Nachbarn oft wenig voneinander wissen, wissen wollen, schwindet auch das Interesse für das Dorf, für die Anliegen der Gemeinde. Ein Indikator ist auch die schwindende Bereitschaft, in Dorfvereinen mitzuwirken, bei Kommunalwahlen zu kandidieren oder wenigstens wählen zu gehen. Zwischen 30 und 40 Prozent pendelt die Wahlbeteiligung bei Kommunalwahlen. Oft weiß man nicht mehr, wer im Gemeindeparlament sitzt. Dabei wäre vor Ort noch etwas zu bewirken. Die Aufmerksamkeit auf unsere unmittelbare Umwelt wird leicht abgezogen zu den neuen Nachbarn, die man noch weniger kennt, zu den ‚Nutzern‘ der sozialen Medien, zu den wechselnden Ereignissen auf der Welt, die man schnell wieder vergisst.“

Das letzte Kapitel des Romans „Lilar“ spielt im Forsthaus, dem Geburtshaus der Hauptfigur. Es ist inzwischen eine Diskothek geworden und sie heißt „Cracy Wood“. Hier trägt der Protagonist eine deutliche Mahnung vor, wie wachsam der Bürger sein muss, beim Gestalten des technischen Fortschritts. Es ist gewiss die Botschaft von Feldes. Da heißt es:

„Wenn eine Straße gebaut wird, ist keiner dafür verantwortlich. Die einen haben bloß den Verkehr gezählt, die anderen haben Richtlinien beschlossen, wie eine Straße beschaffen sein sollte bei einer bestimmten Verkehrsdichte. Wieder andere entwerfen Pläne, die von Gutachtern geprüft werden, die kleine Korrekturen anbringen (…) Ich will meinen Bogen noch zu Ende beschreiben, achte nicht auf die anderen, sag: Verantwortung können wir natürlich nicht einfach wupp! übernehmen, wir müssen uns wie unsere Vorfahren als ein Stück Natur begreifen, müssen uns wieder abhängig fühlen von natürlichen Größen, von der Zeit, vom Ort, an dem wir wohnen und mit dem wir so verbunden sein sollen wie ein Baum. Nur dann kann es uns schmerzen, wenn die Vermessungsautos kommen, die Bagger und Raupen. Wir sind ein Stück Natur, nur wird uns ausgetrieben, das zu sehen.“

Der Text ist gekürzt entnommen aus einer Beitragsserie von Albrecht Thielmann, Dillenburg, für die heimische Presse.

 

HOFFNUNG

wir sandsteinadler

unter normaluhren

bitten euch eintretende

um schneidezähne

aus elfenbein

da der regen unsere

krallen zerfraß

denn wir wollen gerüstet

sein für den tag

an dem wir über felsen

kreisen und jagen können

 

Dieses frühe Gedicht von Roderich Feldes auf der Gedenktafel entstammt dem Gedichtband „haubergsnelken“ von 1967. Auslöser für das Gedicht war der steinerne Wappenadler, der über dem Eingangsportal des Dillenburger Bahnhofs hängt und auf die eintretenden Fahrgäste herabschaut. Jeden Tag ging der Schüler Roderich unter diesem Adler in den Bahnhof.


Bericht zur Veranstaltung "Feldes for future?!":
https://www.wvo-dill.de/aktuelles/849-feldes-for-future.html?highlight=WyJmZWxkZXMiXQ

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