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Wilhelm-von-Oranien-Schule Dillenburg

Lernen in Vielfalt -
Leben in Verantwortung

Ehrung für den ehemaligen Schüler

Gedenktafel für Roderich Feldes an der Wilhelm-von-Oranien-Schule

In der Schülerzeitung „Die Funzel“ veröffentlichte er seine ersten Gedichte, im Unterricht hänselte man ihn für seinen dörflichen Dialekt mit dem rollenden „R“, hier absolvierte er 1966 sein Abitur: Der 1946 in Offdilln geborene Schriftsteller Roderich Feldes, der später in Eiershausen lebte, ging aufs Dillenburger Gymnasium, die Wilhelm-von-Oranien-Schule (WvO). Sein früher Tod mit nur 49 Jahren verhinderte, dass seine Texte in der deutschen Literatur nachhaltig Wirkung entfalten konnten. Die Roderich-Feldes-Gesellschaft hat nun gemeinsam mit der WvO eine Gedenktafel für ihn eingeweiht – in der Eingangshalle seiner alten Schule.

Feldes‘ Thema war „Heimat“, jedoch nicht im volkstümelnden, flachen Sinne. Feldes beschreibt in seinen Texten den Wandel des dörflichen Lebens: das langsame Verschwinden der Landwirtschaft und der selbstverständlichen Verbindung von Mensch, Tier und Natur, den Ausbau von Durchgangsstraßen und anonymen Neubaugebieten an den Dorfrändern, den Einfluss des Medienkonsums auf die dörfliche Kommunikationskultur. Diese Themen sind in einer globalisierten und digital vernetzten Welt hochaktuell, auch wenn die Phänomene, an denen der Wandel sich manifestiert, sich weiter verändern.

Feldes‘ Vater war Förster in Offdilln, sodass der Junge in dörflichen Strukturen aufwuchs. Schon zur Schulzeit am Gymnasium veröffentlichte Feldes seine ersten Texte. Ein Jahr nach seinem Abitur 1967 erschien Feldes’ erster Gedichtband „haubergsnelken“ im Suhrkamp-Verlag. Seine Texte waren bereits von so hoher literarischer Qualität, dass er in den achtziger Jahren zu einem bundesweit beachteten Literaten wurde. Nach dem Abitur an der WvO studierte er in Gießen und Frankfurt Germanistik bzw. Linguistik sowie Philosophie und promovierte anschließend zum sprachwissenschaftlichen Thema „Das Wort als Werkzeug“. Nach erfolgreichem Abschluss dieser Arbeit zog er in seine Heimatregion zurück und engagierte sich aus Überzeugung aktiv im örtlichen Vereinsleben. Mit 49 Jahren verstarb er an einem Hirntumor.

Die Roderich-Feldes-Gesellschaft (RFG) hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Andenken an diesen begabten Dichter der Region wachzuhalten; dazu wurde zuletzt der Roman „Lilar“ neu aufgelegt und in einer Lesungsreihe dem interessierten Publikum vorgetragen. Auch am Dillenburger Gymnasium fand im Mai vergangenen Jahres eine solche Veranstaltung statt. Gemeinsam mit der Schule entstand daraus die Idee, den berühmten ehemaligen Schüler durch eine Gedenktafel in der Eingangshalle zu ehren. Diese wurde nun fertiggestellt und 30 Jahre nach seinem Todestag in einer Feierstunde „eingeweiht“.

Neben einigen Mitgliedern der Roderich-Feldes-Gesellschaft und Vertretern der Schule fanden sich auch seine Frau Gertraud Feldes-Gerhold, der Eschenburger Bürgermeister Götz Konrad und weitere Freunde des Dichters und PEN-Mitglieds ein.

RFG-Mitglied Dr. Manfred Schmidt (Bürgermeister von Hüttenberg a.D.) begrüßte alle Gäste und dankte für die gute Kooperation mit der Schule, insbesondere mit den Deutsch-Lehrkräften Uta Sippel und Markus Hoffmann. Feldes würdigte er als jemanden, der eine Zeit des Umbruchs in unseren Dörfern, in den sozialen Strukturen, in der Arbeitswelt, in der ganzen Gesellschaft beobachtet und in seinen Werken aufgearbeitet habe.

Götz Konrad als Bürgermeister von Feldes‘ Heimatkommune betonte die Aktualität seiner Texte und zitierte als Beleg dazu einige Passagen aus seinem Roman „Das Verschwinden der Harmonie“, der übrigens auch verfilmt wurde. Dem schloss sich Markus Hoffmann, Fachbereichsleiter für das sprachlich-literarisch-künstlerische Aufgabenfeld an der WvO, an. Gerade in einer digitalisierten und globalisierten Welt sei es besonders wichtig zu wissen, wo man seine Wurzeln habe. Das Verschwinden der dörflichen Strukturen könne man als Problem bedauern, aber eine mögliche Lösung finde sich vielleicht in Feldes‘ Biografie: sich bewusst für das Engagement in der Heimat, in Vereinen und Verbänden, zu entscheiden.

Anschließend wurde die Tafel feierlich von Gertraud Feldes-Gerhold und Dr. Manfred Schmidt enthüllt. Darauf findet sich neben einem Portrait, einem kurzen biografischen Abriss und einem QR-Code zu weiterführenden Informationen auch das Gedicht „Hoffnung“ von Roderich Feldes:

wir sandsteinadler

unter normaluhren

bitten euch eintretende

um schneidezähne

aus elfenbein

da der regen unsere

krallen zerfraß

denn wir wollen gerüstet

sein für den tag

an dem wir über felsen

kreisen und jagen können

Dieses frühe Gedicht von Roderich Feldes entstammt dem Gedichtband „haubergsnelken“ von 1967. Auslöser für das Gedicht war der steinerne Wappenadler, der über dem Eingangsportal des Dillenburger Bahnhofs hängt und auf die eintretenden Fahrgäste herabschaut. Jeden Tag ging der Schüler Roderich unter diesem Adler in den Bahnhof.


Gertraud Feldes-Gerhold und Dr. Manfred Schmidt enthüllen die Gedenktafel.


Neben Feldes‘ Wittwe (4.v.r.), Dr. Manfred Schmidt (3.v.r.) und Bürgermeister Götz Konrad (2.v.r.) nahmen weitere Vorstandsmitglieder der Roderich-Feldes-Gesellschaft teil: Achim Gutbrod (r.), Attila Bostanci (7.v.l.), Klaus Petri (6.v.l.) und Harro Schäfer (5.v.l.). Für die WvO nahmen teil: die Schulleitungsmitglieder Andrea Stühler (2.v.l.) und Markus Hoffmann (l.) sowie Bibliotheksbeauftragte Uta Sippel (3.v.l.).

 

 



  • 2026
  • copyright Text: Albrecht Thielmann; Markus Hoffmann, WvO
  • copyright Foto: Winfried Krüger; Markus Hoffmann, WvO