Hadamar – Ein Ort, der Geschichte in sich trägt
Geschichte-Lerngruppen besuchen Gedenkstätte
Die Jahrgangsstufe 10 sowie der Q2-Leistungskurs Geschichte der Wilhelm-von-Oranien-Schule (WvO) besuchten Mitte März das ehemalige Tötungslager, das zur Zeit des NS-Regimes zur Vernichtung psychisch kranker und behinderter Menschen genutzt wurde. Das alte Gebäude am Mönchberg beherbergt heute die Gedenkstätte.
Eine Busgarage, Untersuchungszimmer, vermeintliche Duschen und Öfen – sie alle waren Stationen für jeden, der nach Hadamar kam. In den Zeiträumen von Januar 1941 bis August 1941 sowie von August 1942 bis März 1945 wurden allein in Hadamar rund 14.500 Menschen ermordet. Anders als in den großen Konzentrationslagern wie Dachau, Buchenwald oder Auschwitz diente Hadamar ausschließlich der Vernichtung derer, die im Auge der Nationalsozialisten nicht lebenswürdig waren. Unter diese Kategorie fielen laut NS-Verordnung alle, die psychische oder körperliche Behinderungen hatten.
Diese Menschen wurden aus umliegenden Einrichtungen und Kliniken unter dem Vorwand, sie zu verlegen, nach und nach in Bussen nach Hadamar gebracht. Dort kamen täglich rund 100 Personen an, deren Schicksal bereits mit der Abfahrt besiegelt war.
„Für die Mitarbeitenden war es ein fabrikähnlicher Ablauf“, erklärte einer der Gedenkstätten-Pädagogen den zehnten Klassen aus Dillenburg. Jeder hatte eine bestimmte Aufgabe, die vom ärztlichen Gutachten bis hin zur Verbrennung der Leichen reichte. Es war ein ausgeklügeltes System, mit dem die Nationalsozialisten die Menschen ermordeten. Die Angehörigen der Opfer wurden lediglich mit Briefen informiert, in denen eine Todesursache geschildert wurde. Natürlich stand in diesen Briefen mit keinem Wort etwas von Ermordung. Krankheiten wie eine Blinddarmentzündung oder ein epileptischer Anfall sollten stattdessen als Gründe für das plötzliche Ableben der Patienten angegeben werden. Die Leichen wurden zunächst in Krematorien verbrannt oder später in Massengräbern beerdigt. Es bleibt angesichts dessen die bedrückende Frage, was aus den Opfern hätte werden können, wenn sie am Leben geblieben wären. Noch heute steht das Denkmal zur Erinnerung an die Opfer der Massenvernichtung in Hadamar – dort, wo ihre Gebeine liegen.
Eine Exkursion, die Spuren hinterlässt, und das zu Recht. Eine Ausgrenzung derer, die sich nicht selbst helfen können, ist zwar in unserem heutigen Teil der Welt nur noch schwer vorstellbar, doch ist es wichtiger denn je, aus der Geschichte zu lernen, um Fehler nicht zu wiederholen und Schülerinnen und Schüler bestmöglich über die Folgen solcher Taten aufzuklären.
- 2026
- copyright Text: Lina Bielefeld
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