Am Ende nochmal alle zusammen

Stimmungsvolle WvO-Abiturzeugnisfeier trotz Abstandsregeln und mit Livestream

Manchmal muss man schnell sein, um Erfolg zu haben, aber ein andermal zahlt sich Abwarten und Besonnenheit aus. Während viele Schulen ihre Zeugnisfeiern Anfang Juni wegen der Corona-Auflagen absagten oder scheibchenweise in Kleingruppen durchführten, hatte das Dillenburger Gymnasium noch ein wenig zugewartet. Und siehe da, am 22. Juni wurde die Obergrenze für Veranstaltungsteilnehmer etwas gelockert und die Wilhelm-von-Oranien-Schule (WvO) konnte ihre 104 Absolventen im geräumigen Forum feierlich verabschieden – selbstverständlich unter Wahrung aller Abstands- und Hygieneregeln. Die Eltern, welche in seuchenfreien Zeiten auch dabei gewesen wären, verfolgten die Feier per Livestream-Übertragung am heimischen Bildschirm.

Mitte Juni wurde im Abiturjahrgang, in der Elternschaft und im Schulleitungsteam noch unschlüssig erörtert: Pro Tutorengruppe je eine kleine Abiturfeierstunde? Vielleicht eine Feier im Autokino-Format oder auf einem Sportplatz im Freien? Oder die Zeugnisse einfach per Post verschicken? Letzteres wäre sicher die schlechteste Lösung gewesen. Die Freude der Abiturienten am 30. Juni war spürbar, dass es möglich wurde, sich mit allen 104 Schülerinnen und Schülern des Jahrgangs und den betreuenden Lehrkräften noch einmal gemeinsam wiederzusehen. Hatte man doch seit der Schulschließung am 13. März allenfalls digital oder nur vereinzelt Kontakt gehabt und musste zudem verschmerzen, den von langer Hand vorbereiteten Abiball abzusagen.

Grußworte loben Leistungen unter Corona-Bedingungen

Nachdem alle Gäste das Forum mit Mund-Nasen-Bedeckung betreten und auf den mit ausreichend Abstand gestellten Stühlen Platz genommen hatten, eröffnete Schulleiter Martin Hinterlang die Feier mit Glückwünschen zum bestandenen Abitur sowie viel Lob und Anerkennung: zum einen für die tolle Leitung eines Jahrgangsnotenschnitts von 2,36, zum anderen auch für das Durchhaltevermögen und die Geduld der Prüflinge in Corona-Zeiten. Die hygienischen Sicherheitsmaßnahmen während der schriftlichen und mündlichen Prüfungen waren schließlich eine gravierende Ausnahmesituation.

Daran knüpfte Hinterlang mit zwei Ratschlägen für die Absolventen an: "Wir sind in der Corona-Krise bescheidener und demütiger geworden, auch in unserer Haltung gegenüber der Zukunft. Aber wir haben im Namen von Aufklärung, Wissenschaft und Vernunft das Wissen und die Werkzeuge in der Hand, Lösungen zu finden für die Probleme unserer Zeit, weswegen wir den im Moment noch nicht beherrschbaren Prozessen nicht hilflos ausgeliefert sind." Zweitens, so Hinterlang weiter, habe die Corona-Krise uns viel Zeit in der Familie verbringen lassen – auch diese Erfahrung solle man mitnehmen und sich darauf besinnen, wo man in Krisen wieder auftanken und wirklich Stabilität gewinnen könne.

Ebenfalls Anerkennung für die erbrachten Leistungen unter erschwerten Bedingungen zollte Marianne Markl. Sie hielt nach beeindruckenden 18 Jahren als WvO-Elternbeirätin ihre Abschiedsrede und appellierte an die Abiturienten: "Corona hat uns gezeigt, dass die Krankenschwester systemrelevant ist und der Flugzeugkapitän demnächst arbeitslos sein kann. Angesichts aller Unsicherheiten der Zukunft ist das, was Sie tun können, sich immer weiter zu bilden. Horchen Sie in sich hinein und erkennen Sie Ihre Stärken und Schwächen. Und treffen Sie dann Ihre Entscheidungen für sich selbst."

Einen rührenden Akzent setzten die beiden Schüler Yazan Al Shareef und Faris Sandeed. Sie kamen erst vor wenigen Jahren aus Syrien nach Deutschland, erlernten die Sprache und kämpften sich mit Fleiß und Disziplin bis zum bestandenen Abitur durch. Beide richteten einen kurzen Gruß an ihre Lehrer und Mitschüler und bedankten sich für die Unterstützung auf dem zurückgelegten Weg.

Für das Kollegium sprachen die Tutorinnen Judith Demmer und Ann-Christin Finke. Mit A wie "ambitioniert", B wie "beeindruckend" und I wie "individuell" buchstabierten sie amüsant durch, welche Erfahrungen sie beide mit dem diesjährigen "A-B-I"-Jahrgang gemacht hatten.

Vier Mal Traumnote 1,0 und WvO-Diamant

Anschließend ging es daran, Preise und Auszeichnungen sowie die Abiturzeugnisse zu verleihen. Besonders geehrt wurden Leon Hammermüller, Lara Kreutz, Hannah Leinweber und Judith Müller. Sie erzielten mit 1,0 den bestmöglichen Abiturschnitt.

Dass es aber nicht nur auf gute Noten ankommt, sondern auch auf Sozialkompetenz, bewies der diesjährige Preisträger des WvO-Diamanten, Furkan Aktas. Laudator Dr. Bernd Peter – Vorsitzender des Fördervereins Wilhelms Freunde e.V. – würdigte Furkans Engagement in Sanitätsdienst und Theatertechnik, als Schiedsrichter, Schulkonferenzmitglied und Organisator der Wahlsimulation "Juniorwahl". Die Trophäe sowie den Buchgutschein über EUR 200,- übergab Dr. Peter anschließend auch in Vertretung für den verhinderten CoSchirmherrn Bürgermeister Michael Lotz.

Ehrungen für fachliche Höchstleistungen

Klaus-Achim Wendel überreichte den traditionell verliehenen Karl-Wendel-Preis an Leon Hammermüller und Joshua Liebig. Beide dürfen sich über eine saftige Finanzspritze (EUR 1.500,- bzw. EUR 750,-) freuen, sofern sie ein naturwissenschaftliches Studium aufnehmen. Für die besten Leistungen in einzelnen Fächern wurden geehrt: Eliane Mareen Krauss (Deutsch), Hannah Leinweber (Latein und Mathematik), Lena Stäcker (Ethik), Judith Müller (Politik & Wirtschaft sowie Physik), Leonie Gail, Sophie Schaffner und Karla Oelkers (alle drei in Erdkunde), Leon Hammermüller, Maarten King und Joshua Lieben (alle drei in Chemie).

Nach 27 Abiturprüfungen ist Schluss

Nicht für Noten, sondern für unglaublich ausdauernden Fleiß wurde übrigens Jutta Dobener geehrt. Die Oberstufensekretärin, welche verlässlich Studienleiterin Andrea Stühler assistiert, erhielt einen Blumenstrauß und Dankesworte vom Schulleiter, denn die Abiturprüfungen 2020 waren die letzten, die sie vor ihrem anstehenden Ruhestand vorbereitet hat – zum siebenundzwanzigsten Mal!

Musikalisch wurde die Feier umrahmt von Jugend-Musiziert-Preisträger Raphael Monno an der Gitarre und Musiklehrer Armin Müller am Piano, die zwei einfühlsame Eigenkompositionen Müllers darboten.

©2020 Text & Fotos: Markus Hoffmann

Bildergalerie
(zum Vergrößern auf das Bild klicken)

 Alles auf Corona-Abstand gesetzt: Studienleiterin Andrea Stühler erläutert vor Beginn der Feier nochmal das Hygienekonzept.
 Die komplette Feier wurde von einem professionellen Veranstaltungstechniker in die elterlichen Wohnzimmer live übertragen, hier der Dank von Schulleiter Martin Hinterlang (rechts) an Elternvertreterin Marianne Markl (im Display).
 Schulleiter Hinterlang (l.) und Studienleiterin Stühler (r.) ehren die "Eins-Nuller" Lara Kreutz, Hannah Leinweber, Judith Müller und Leon Hammermüller (von links).
Dr. Bernd Peter (r.) zeichnet Furkan Aktas (l.) mit dem WvO-Diamanten 2020 aus. 
 Klaus-Achim-Wendel (Mitte) überreicht den Karl-Wendel-Preis an Leon Hammermüller (l.) und Joshua Liebig (r.).
Schulsekretärin Jutta Dobener sortierte insgesamt 27 Jahre lang die Abiturprüfungsbürokratie an der WvO.