Gedenkstättenfahrt Buchenwald 10.-13.06.2018

Unter der Leitung der Geschichtslehrer/-innen Sarah Eckstein, Julia Schäfer-Schmitt und Nico Hartung besuchten 27 Schülerinnen und Schüler aus der Jahrgangsstufe Q2 (12) der Wilhelm-von-Oranien-Schule Dillenburg die Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar Die Fahrtteilnahme war freiwillig, man musste sich im Falle von Interesse selbst anmelden. Vorab wurden wir in zwei Vorbereitungstreffen über Buchenwald und das Programm informiert.

Foto 1: Lagertor [ Link ]

Am Sonntag, gleichzeitig unser erster Tag, durften wir, nachdem wir unsere Zimmer in den renovierten und zu einer Jugendherberge umgebauten ehemaligen SS-Kasernen bezogen und unsere Betreuerin kennengelernt hatten, das Gelände selbstständig erkunden, fotografierten unsere ersten Eindrücke und orientierten uns abschließend an einem Modell des Lagers.

Foto 2: Am Modell [ Link ]

Außerdem besuchten wir die Ausstellung "Buchenwald. Ausgrenzung und Gewalt 1937-1945" und sprachen abends im Plenum über unsere ersten Eindrücke und Gedanken. Abends war das Programm offen gestaltet und wir saßen mit der Gruppe zusammen. Der Montag begann mit einer Führung im Bereich des ehemaligen Häftlingslagers, wo wir die Ankunft und den Weg eines damaligen Häftlings im Lager nachvollziehen konnten.

Foto 3: Gruppe bei einer Führung im Gelände [ Link ]

Nach dem Mittagessen ging es in unsere Arbeits- und Vertiefungsphase, denn Teil dieser Exkursion war es, sich in Kleingruppen oder alleine mit einem selbst ausgesuchten Thema näher zu beschäftigen und soweit zu erarbeiten, dass wir es am Ende der Exkursion der Gruppe vorstellen konnten.

Ein vielfältiges Angebot wurde uns gestellt: Vor Ort gibt es eine Restaurierungswerkstatt, für die sich aber in diesem Jahr überraschenderweise niemand begeistern konnte. Außerdem entschieden sich zwei Schüler, bei der auf dem Gelände vorhandenen ehemaligen Müllhalde an einer Ausgrabung teilzunehmen.

Foto 4: Fundstücke der Ausgrabung, u.a. ein selbstgemachtes, abgebrochenes Messer eines Häftlings [ Link ]

Einige von uns gingen in die Kunstwerkstatt und malten oder zeichneten ihre Gedanken und Eindrücke.

Foto 5 und Foto 6: Erfahrenes wird zu Kunst [ Link ]

Andere beschäftigten sich mit Biografien, sowohl von Opfern als auch von Tätern. Dafür hatten wir die Möglichkeit, in alten Dokumenten auf dem Dachboden der ehemaligen SS-Kaserne oder im Archiv zu forschen.

Foto 7: Recherche an den Biografie-Kisten [ Link ]
Foto 8: Recherche mit Quellen aus dem Archiv [ Link ]

Es stellte sich heraus, dass unsere Gruppe sehr an der Täterperspektive interessiert war. Weitere stellten sich die Frage, wie die Opfer im Konzentrationslager noch Hoffnung und Überlebenswillen haben konnten, und ein paar stellten uns vor, wie die Menschen Widerstand leisteten und versuchten zu fliehen.

Abends hatten wir dann eine weitere Führung. Diesmal erkundeten wir den SS-Bereich, den Steinbruch und auch das Mahnmal der DDR, wo wir die Instrumentalisierung des Ortes für die Erinnerungskultur der DDR kennenlernen konnten.

Foto 9: Glockenturm mit Figurengruppe - die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald zu DDR-Zeiten [ Link ]

Der Dienstag wurde zunächst ebenfalls für unsere Präsentationen genutzt, bis wir dann, nach dem Mittagessen, mit dem Linienbus nach Weimar aufbrachen. In Weimar hatten wir ebenfalls eine kleine Stadtführung, die aber von uns Schülern für uns Schüler gestaltet wurde. Noch in der Jugendherberge wurden wir für verschiedene Stationen eingeteilt, zu denen wir dann in Weimar in Kleingruppen einen kurzen Vortrag gehalten haben. Die enge Verbindung zwischen der zivilen Welt- und Kulturstadt Weimar mit dem Konzentrationslager auf dem Ettersberg wurde uns dort deutlich vor Augen geführt.

Foto 10: Schüler führen Schüler - Weimar, vor dem Nationaltheater [ Link ]

Am Abend gab es das Angebot, sich intensiver mit der Täterperspektive und den Erklärungsansätzen des Dokumentarfilms "Das radikal Böse" auseinanderzusetzen, und wir hörten schon die ersten Ergebnisse von den Erarbeitungen zuvor.

Foto 11: Damit jeder zu Wort kommt - Plenumsrunde im Gruppenraum [ Link ]

Am Abreisetag hörten wir die restlichen Vorträge, welche wirklich allesamt sehr ausführlich waren, und es war erstaunlich, dass wir in solch kurzer Zeit so viel Neues dazulernten und vorstellen konnten. Wir räumten unsere Zimmer, verabschiedeten uns nach dem Mittagessen von unserer Gedenkstäten-Betreuerin und machten uns gegen 13:30 Uhr auf den Heimweg.

Die Gedenkstätte Buchenwald bietet ein breites Angebot, wie man sich in Bezug auf den Nationalsozialismus und Holocaust weiterbilden kann. Es ist ein praktisches und emotionales Lernen, welches kaum vergleichbar mit dem Lernen im Geschichtsunterricht ist, in dem man meist mit Quellen und Texten konfrontiert wird.

Etwas komplett Neues für die meisten von uns und zugleich Schwerpunktthema einer Schülerin war, dass es nach der Befreiung 1945 noch mit Buchenwald als "Gefängnislager" weiterging und es von 1945-1950 als "Sowjetisches Speziallager Nr. 2" genutzt wurde. Zudem hat uns überrascht, wie weitläufig das Gelände ist und an was doch alles gedacht wurde (es gab z.B. eine eigene "Entzugsklinik" für die SS-Männer, einen Reitplatz, eine Obstplantage und ein Bordell für die Häftlinge auf dem Gelände). Zwei aus unserer Gruppe beschäftigten sich damit, das Gelände abzulaufen, und stellten uns in ihrer Präsentation vor, wie sich das Gelände verändert hat und was sie in Erfahrung bringen konnten.

Zum Schluss kann man sagen, dass der gesamten Gruppe die Fahrt gut gefallen hat, wir viel Neues gelernt haben und sogar noch länger dageblieben wären: Wir waren zwar drei Tage dort, aber trotzdem haben wir noch nicht alles gesehen. In unserer Zeit vor Ort haben wir viel Input bekommen und einige von uns finden, dass wir nun auch argumentativ besser gerüstet sind, wenn man mit anderen über ein solch ernstes Thema im Gespräch ist.

Wir hatten beeindruckende, erkenntnisreiche Tage, eine gute Unterkunft und eine super Leitung vor Ort, deshalb ist es immer wieder zu empfehlen, eine solche Fahrt mitzumachen, da wir finden, dass es wichtig ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Foto 12: Die Buchenwald-Exkursionsgruppe [ Link ]

©2018 Text: Sina Kampmann, Lara Bräuer
Q2 Fotos: Julia Schäfer-Schmitt

Bildergalerie
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Lagertor
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 Am Modell
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Gruppe bei einer Führung im Gelände
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Fundstücke der Ausgrabung, u.a. ein selbstgemachtes, abgebrochenes Messer eines Häftlings
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Erfahrenes wird zu Kunst
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Recherche an den Biografie-Kisten
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Recherche mit Quellen aus dem Archiv
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Glockenturm mit Figurengruppe - die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald zu DDR-Zeiten
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Schüler führen Schüler - Weimar, vor dem Nationaltheater
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Damit jeder zu Wort kommt - Plenumsrunde im Gruppenraum
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Die Buchenwald-Exkursionsgruppe 2018
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