Dillenburger Kommunalpolitik – keine Bange um die Zukunft (oder doch?)

Lea Müller, Siebtklässlerin der Wilhelm-von-Oranien-Schule, berichtet vom Rathaus-Besuch

"Gut, dass sich Jugendliche für Politik interessieren. Ich hoffe, einige von euch werden in einigen Jahren das Ruder von den 'Alten' übernehmen. Wenn ich euch sehe, habe ich keine Bange um unsere Zukunft." - so verabschiedete die erste Stadträtin von Dillenburg Elisabeth Fuhrländer die Schüler.

Im Politik-Unterricht hatte unser Lehrer Paul Sajon mit uns Schülern der Klasse 7B das Thema "Kommunalpolitik" besprochen. Dabei entstand die Idee, direkt bei den Verantwortlichen im Rathaus "nachzuhaken". So kam es zu einem richtigen kleinen Projekt. Am 24.04.2018 wurden wir in Vertretung des Bürgermeisters von Frau Fuhrländer begrüßt. Im großen Saal des Rathauses erklärte sie uns zur Einführung die Kommunalpolitik in Dillenburg. Danach wurden im Unterricht erarbeitete Fragen zu allen Bereichen der Kommunalpolitik gestellt. Die Antworten von Frau Fuhrländer waren anschaulich und lebensnah. Man kann sie grob in drei Bereiche zusammenfassen.

Probleme und Herausforderungen

Frau Fuhrländer erklärte, dass der Einzelhandel in der Innenstadt mit relativ wenigen Geschäften und vielen Leerständen einen schweren Stand habe. Viele Bürger würden sich zwar darüber beschweren, aber ihre Einkäufe im Internet oder in größeren Städten erledigen. Doch der Einzelhandel könne nur dann gut funktionieren, wenn entsprechender Umsatz gemacht würde – sonst nicht.

Der Dillenburger Hauptbahnhof sei auch "ein Skandal" – keine Toiletten und Gastronomie, die diesen Namen verdienen würde. Aber die Stadt könne ja nicht in ein fremdes Eigentum investieren.

Eine andere Herausforderung für die städtischen Finanzen seien wenige bzw. kaum neue Gewerbeflächen. Dies resultiere aus der geografischen Lage, an der man leider nichts ändern könne. Man müsse mit dem haushalten, was man an Einnahmen bekomme.

Unsere Stärken

Zu den Aushängeschildern und Vorzügen der Stadt zählen laut Fuhrländer Museen (Villa Grün und Wilhelmsturm mit Kasematten) sowie das Aquarena Sport- und Freizeitbad. Sie würden auch weiterhin das hohe Niveau halten und weitere Konzepte seien in Arbeit. Die wundervolle Natur in der Dillenburger Umgebung mit dem Tourismus, so Frau Fuhrländer, gehören zu den Stärken und sollten entsprechend gepflegt und gefördert werden. Mit unseren vielen Kindertagesstätten, Kinderspielplätzen und Jugendeinrichtungen seien wir sicher auch eine kinderfreundliche Stadt, in der Familien gerne leben.

Zukunft der Stadt

Demnächst werden im innenstädtischen Bereich zwei große Bauprojekte verwirklicht. Dies bedeute ca. 300 neue Bürger in der Kernstadt. "Wir erhoffen uns davon eine deutliche Belebung des Zentrums" – sagte Fuhrländer. Sie fuhr fort, dass die Kitas und Grundschulen weiterhin kräftig unterstützt würden. Im städtischen Haushalt seien zur Betreuung ca. 6 Mio. Euro/Jahr vorgesehen, denn Kinder seien unsere Zukunft. Größter Wert würde auch darauf gelegt, unsere Stadt noch behindertengerechter zu machen.

Auf die Frage, ob der Bürgermeister Lotz nochmal zur Wahl antrete, antwortete Fuhrländer: "Es ist zu früh, um dazu irgendwelche verbindlichen Aussagen zu machen. Ich vermute aber, er wird wahrscheinlich nochmal antreten."

Fazit

Wir haben als Schüler die seltene Möglichkeit bekommen, direkt mit einer Kommunalpolitikerin zu sprechen. Die fast zwei Stunden waren sehr informativ und sind schnell verflogen. Uns wurde klar, dass nicht für alle Probleme sowie "Unzulänglichkeiten" die Stadtverwaltung verantwortlich ist und sie lösen kann. Manchmal kann die Stadt nur bedingt etwas ändern, weil z.B. die Mittel gar nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen.

Auf die Frage von Frau Fuhrländer, ob sich jemand von uns Jugendlichen vielleicht politisch einbringen möchte, hat sich keiner gemeldet. Vermutlich kann sich keiner richtig vorstellen, was das bedeutet – oder es braucht noch Zeit, damit dieser Gedanke reifen kann. Weil wir diese Frage nicht endgültig klären konnten, habe ich den Artikel im Titel mit einem Fragezeichen versehen. Auf jeden Fall können wir Schüler auf einen spannenden Tag zurückblicken, an dem die Politik lebendig nahegebracht wurde.

©2018 Text Lea Müller, Kl. 7B
Foto: Paul Sajon, WvO

Bildergalerie
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Erste Stadträtin Elisabeth Fuhrländer im großen Sitzungssaal mit ihren Gästen von der 7B