Deutsche Schülerakademie - Teilnehmerin Hannah Leinweber berichtet

"Wie würdest du die DSA in einem Wort beschreiben?" Diese Frage wurde mir und ein paar anderen Teilnehmern der Deutschen SchülerAkademie letzten Sommer gestellt - und sie ist gar nicht so leicht zu beantworten. Deshalb werde ich mir jetzt erlauben, ein paar mehr Worte dafür aufzuwenden.

Die Deutsche SchülerAkademie ist ein Programm, dessen Zielsetzung es ist, vielseitig interessierte und leistungsbereite Schüler zu fördern, sie über den Tellerrand hinausschauen zu lassen und mit wissenschaftlichem Arbeiten vertraut zu machen. Letztes Jahr im August durfte ich an einer der sieben jährlichen Schülerakademien teilnehmen, für die wir 16 Tage lang in den Räumlichkeiten des Internats Schloss Torgelow am See bei Waren an der Müritz untergebracht waren. Während der Akademie haben sich die Teilnehmer in insgesamt sechs Kursen mit den unterschiedlichsten Themen auseinandergesetzt - diese reichten von den Hausmeistern unseres Immunsystems über Konzepte der Persönlichkeitspsychologie bis hin zu der deutschen Musikszene nach 1968.

Mein Kurs hat sich in dieser Zeit mit der geometrischen Gruppentheorie beschäftigt, einem Teilgebiet der Mathematik, welches Elemente der Algebra und der Geometrie miteinander verbindet. Im Vorfeld hatte jeder Teilnehmer einen Vortrag zum Thema vorbereitet. Als ich die Referatsthemen zwei Monate vorher gesehen habe, war ich erst einmal ratlos; exotisch klingende Begriffe wie metrische Räume, Cayley-Graphen und Quasi-Isometrien haben mich ernsthaft daran zweifeln lassen, ob ich mit dem Mathekurs die richtige Wahl getroffen hatte... Die Aufregung hielt auch bis zum ersten Tag der Akademie an, aber bei vielen von uns legten sich ziemlich bald die vielfach gehegten Befürchtungen, im Kurs nicht mithalten zu können. Auch wenn wir bei vielen Übungsaufgaben und mathematischen Beweisen manchmal gar nicht mehr wussten, wo oben und unten ist, standen wir in der ganzen Zeit weder unter Noten- noch unter Leistungsdruck; im Gegenteil, die Kursleiter haben uns immer wieder ermutigt und versichert, dass es normal und auch gewollt sei, dabei an die eigenen Grenzen zu stoßen. Dadurch war die ganze Atmosphäre sehr angenehm. Am Ende ging es dann für uns daran, in Form einer wissenschaftlichen Dokumentation das im Kurs Gelernte zusammenzufassen und festzuhalten. Bis unsere Texte dann endlich wissenschaftlich exakt formuliert waren, hat es oft so einige Korrekturdurchgänge gebraucht, aber am Ende war es doch schön, das Gesamtergebnis zu sehen.

Allerdings bestand der Tag für uns keineswegs nur aus stundenlangem Brüten über kryptischen Formeln: Neben den täglichen Kurseinheiten stand uns viel freie Zeit zur Verfügung, die wir sehr frei und individuell gestalten konnten; dazu durften wir nahezu alle Möglichkeiten, die das Internatsgelände zu bieten hatte, nutzen - von Kunst- und Musikräumen bis hin zu den Sportanlagen. Nach Beginn der Akademie gab es schon bald ein vielfältiges Angebot an kursübergreifenden Aktivitäten - kurz: "KüAs" -, die ein sehr wichtiger Bestandteil der Akademiezeit waren und zum Teil von Kursleitern, vor allem aber von den Teilnehmern selbst organisiert wurden. Dabei ist ein sehr buntes Programm entstanden, weil sich viele Leute sich mit den unterschiedlichsten Interessen und Begabungen eingebracht haben. So konnte man sich beispielsweise in verschiedenen Tänzen ausprobieren, neue Kartenspiele oder Sprachen wie Chinesisch und Afrikaans lernen, einfach mal Kuchen backen oder sich bei Volleyball, Ultimate Frisbee und frühmorgendlichem - oder nächtlichem - Schwimmen im See sportlich betätigen - ich glaube, für jeden Geschmack war etwas dabei.

Da der Umgang miteinander insgesamt sehr offen war, haben sich auch schnell unterhaltsame Gespräche und spontane Aktivitäten ergeben. Im Verlauf der Akademie wurden die Listen mit den täglich angebotenen KüAs immer länger, was die Nächte für viele von uns signifikant verkürzt hat ... Gut besucht war von Anfang an vor allem der Chor; ein Höhepunkt der Akademie war dementsprechend auch ein Konzert im Nachbarort, bei dem neben dem Chor auch selbst gegründete Musikgruppen wie das Vokalensemble und das Orchester auftreten durften. Außerdem gab es auch einen Exkursionstag, bei dem man wählen durfte, ob man einen Tagesausflug in das Marine Science Center machen, eine nahegelegene Gedenkstätte besuchen oder etwa bei einer Kanutour die Mecklenburgische Seenplatte erkunden wollte.

Insgesamt bin ich sehr dankbar, dass ich diese Zeit in Torgelow erleben und einige wertvolle Erinnerungen daran mit nach Hause nehmen durfte; ich konnte meinen Horizont wirklich erweitern, viele interessante Dinge lernen und neue Freundschaften schließen. Ganz nebenbei hat die Kursarbeit bei mir außerdem wieder etwas Begeisterung für mathematische Zusammenhänge geweckt. Ich kann die Akademie jedem empfehlen, der Interesse daran hat, neue Dinge zu lernen und sich in einem ganz ungezwungenen Rahmen selbst auszuprobieren. Ich persönlich habe aus dieser Zeit einiges mitgenommen und hoffe, dass jeder, der in den nächsten Jahren vielleicht an einer solchen Akademie teilnimmt, mindestens genauso gute Erfahrungen macht wie ich.

©2020 Text und Bilder: Hannah Leinweber, Q4

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