Projekttag "Flucht und Migration" für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10

Am 29. und 30. Januar 2020 fand für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 der Wilhelm-von-Oranien-Schule Dillenburg ein Projekt zum Thema "Flucht und Migration" statt. Dieses wurde von einigen Mitgliedern des Vereins Rigardu e.V. (Anm.: Rigardu e.V. ist ein Verein, in dem sich junge Menschen mit humanitären Hilfsprojekten und bildungspolitischer Arbeit für flüchtende Menschen einsetzen.) in den jeweiligen Klassenverbänden gestaltet. Ermöglicht wurde dies auch durch die Unterstützung des Fördervereins "Wilhelms Freunde".

Zu Beginn des Projekttages gab es eine kleine Kennenlernrunde. Der Einstieg in das Thema wurde dann mit Hilfe eines Brainstormings zu den Begriffen Menschenrechte, Grenzen, Flucht und Gerechtigkeit/ Ungerechtigkeit gemacht.

Anschließend an die Auswertung unserer Ideen stellten wir in einer ersten Workshopphase "Die Welt in Stühlen" dar. Dazu hatten wir in der ersten Runde die Aufgabe, die Klasse so auf die im Raum verteilten Kontinente (verschiedene Bereiche im Raum) aufzuteilen, wie wir glauben, dass die Weltbevölkerung auf die Kontinente verteilt ist. Dabei verschätzten wir uns etwas bezüglich der Bevölkerungszahl von Nord- und Südamerika und Afrika. In der zweiten Runde war die Aufgabe, den Reichtum jedes Kontinents (anhand des Bruttoinlandsprodukts), ebenfalls durch die Verteilung unserer Stühle, zu zeigen. Auch hier verschätzten wir uns etwas. Danach verglichen wir die Zahl der Bevölkerung (dargestellt durch eine Anzahl von SchülerInnen) mit dem Reichtum des jeweiligen Kontinents (dargestellt durch eine Anzahl von Stühlen). Es war für uns sehr erstaunlich zu sehen, dass beispielsweise Europa und Nordamerika mehr Reichtum als Bevölkerung aufweisen, wohingegen Afrika viel mehr Bevölkerung als Reichtum hat. Die Aufgabe der dritten Runde war es, die Fluchtbewegung des Flüchtlingsstroms auf die einzelnen Kontinente durch SchülerInnen unserer Klasse darzustellen. Dabei verschätzten wir uns am meisten, da wir nicht damit gerechnet haben, wie viele Menschen nach Afrika und Asien fliehen. Wir dachten, dass die größte Fluchtbewegung nach Europa stattfindet. Auch in dieser Runde verglichen wir die Fluchtbewegung mit dem Reichtum der Kontinente. Es war erschreckend zu sehen, dass Afrika viel zu wenig Reichtum für die vielen Flüchtlinge hat. Europa hingegen könnte, am Reichtum gemessen, noch viel mehr Flüchtlinge aufnehmen.

Aufbauend auf unsere Erkenntnisse aus der ersten Workshopphase sammelten wir einige mögliche Fluchtursachen und schauten dann einen kurzen Dokumentarfilm über die Situation flüchtender Menschen auf der Balkanroute, welcher die schlimmen Zustände in Flüchtlingslagern zeigte. Während der Besprechung des Films und der Situation an vielen EU-Grenzen (speziell Kroatien) waren viele SchülerInnen schockiert und nachdenklich über diese Bilder und Informationen.

Darüber hinaus wurde dann noch das Thema "Privilegien" spielerisch erarbeitet. Dazu mussten wir uns in verschiedene geflüchtete Personen hineinversetzen und durften immer dann, wenn diese Person das genannte Privileg hat, einen Schritt nach vorne gehen. Im anschließenden Gespräch stellten wir uns die Fragen, welche Privilegien wir haben, wie man Privilegien bekommt und ob man sie beeinflussen kann. Dabei stellten wir fest, dass das Fehlen von Privilegien oft zu Diskriminierung führt.

Der Tag schloss damit, dass uns noch einige Projekte, Ziele und erfolgreiche Entwicklungen von Rigardu e.V. vorgestellt wurden und wir zur Abschlussreflexion kamen.

Insgesamt war der Projekttag sehr spannend und anschaulich gestaltet, und besonders "Die Welt in Stühlen" war eine gute und einprägsame Methode, um uns das Thema "Flucht und Migration" näherzubringen.

©2020 Text: Nele Becker
Fotos: Markus Hoffmann

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