Lernen und Arbeiten am "Grünen Band"

Zum fünften Mal besuchen WvO-Oberstufenschüler die ehemalige deutsch-deutsche Grenze

Die Klasse E1E und die Leistungskurse Biologie und Geschichte der Jahrgangstufe Q1 der Wilhelm-von-Oranien-Schule (WvO) Dillenburg fuhren – begleitet von ihren Lehrkräften Rainer Seliger, Sarah Eckstein, Michael Kämpfer, Jonas Seibel und Kerstin Weber – Ende September gemeinsam ans sog. "Grüne Band" nach Thüringen.

Aus der jahrzehntelangen leidvollen Trennung Deutschlands ist etwas Einzigartiges hervorgegangen, das Grüne Band. Dieser Biotopverbund zieht sich durch 24 europäische Länder. Paradoxerweise hat gerade der menschenfeindliche Grenzverlauf Lebensräume entstehen lassen, die sonst sehr selten geworden sind. Die Pflege des Grünen Bandes bedeutet, sich der Herausforderung zwischen Lebensraumschutz und Erinnerungslandschaft zu stellen.

Anfang Oktober machten sich 56 Schülerinnen und Schüler mit dem Bus auf den Weg in den Schieferpark Thüringen. Seit fünf Jahren nun pflegt die das Dillenburger Gymnasium eine Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband "Thüringer Schiefergebirge", um dort einen Beitrag zum Naturschutz am Grünen Band zu leisten.

Bettina Ermer vom dortigen Landschaftspflegeverband erklärte den Jugendlichen, aus welchem Grund die Arnika- und Heideflächen am Grünen Band geschützt werden müssen. Tiere wie der Uhu, der Schwarzstorch und das Braunkehlchen sowie viele Insektenarten benötigen unsere Hilfe, um sich hier auch weiterhin wohl zu fühlen, deshalb muss ihr Zuhause gepflegt werden, so Frau Ermer. Unter ihrer und der Anleitung weiterer fachkundiger Mitarbeiter griffen die Jugendlichen zu Astschere und Säge, um den vielen Arten ihren Lebensraum zu erhalten.

Im Schieferpark Lehesten besichtigten die Jugendlichen einen seit 1999 stillgelegten Schieferbruch, erhielten Einblick in den ehemaligen Schieferbergbau und durften auch mal selbst versuchen, Schiefer zu bearbeiten.

Auch die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte stand auf dem Programm. So besuchten die Jugendlichen das Grenzmuseum in Mödlareuth. Dieses kleine Dorf, durch den Tannbach getrennt, liegt in Thüringen und Bayern und wurde wie Berlin zum Symbol der innerdeutschen Teilung. Der Geschichte-LK besuchte zudem eine Gedenkstätte nahe Schmiedebach, die unter dem Decknamen "Laura" von September 1943 bis April 1945 bestand und ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald war. Für Tests der Raketenwaffe V2 mussten Häftlinge die Stollenanlage in der ehemaligen Schiefergrube Oertelsbruch ausbauen und ein unterirdisches Sauerstoffwerk im Felsen errichten. Auf dem Rückweg wanderte die Schülergruppe mit einem Naturführer zurück, der unterwegs die Flora lebhaft erklärte. Am letzten Tag besuchten die SchülerInnen, verbunden mit einer kleinen Wanderung den Altvaterturm, ein Mahnmal gegen Vertreibung und ein Zeichen für Versöhnung, und den Grenzbahnhof Probstzella. Der DDRGrenzbahnhof Probstzella befindet sich auf halber Strecke zwischen Berlin und München und war zwischen 1949 und 1990 eine DDR-Grenzstation.

So wurde diese Studienfahrt zu einem Erlebnis, das Naturschutz, Geschichte und Politik verband und den Jugendlichen Einblicke bot, die kein Schulbuch leisten kann. Der Erfolg dieser Fahrt wurde auch durch die finanzielle Unterstützung von "Wilhelms Freunden", dem Förderverein der Wilhelm-von-Oranien-Schule, der Naturlandstiftung Lahn-Dill und dem Förderkreis des Naturschutz-Zentrums Hessen möglich.

©2019 Text: Kerstin Weber, WvO
Fotos: Sarah Eckstein und Kerstin Weber, WvO

Bildergalerie
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Am Grünen Band leisteten die WvO-Schüler durch ihre Arbeit ganz praktisch einen Beitrag zum Schutz bedrohter Arten. 
Im Grenzmuseum Mödlareuth wurde anhand erhaltener Grenzbefestigungsanlagen die Geschichte auf bedrückende Weise erlebbar. 
Eigene Bearbeitungsversuche am Werkstoff Schiefer.
 Blick auf den See im Schieferpark.
 Der Biologie-Leistungskurs von Kerstin Weber (l.)
 Der Geschichte Leistungskurs von Sarah Eckstein (r.)