Spanisch schon ab Klasse 7

Wilhelm-von-Oranien-Schule erweitert das Angebot der zweiten Fremdsprache

Spanisch als Unterrichtsfach gibt es an der Wilhelm-von-Oranien-Schule (WvO) bereits seit neun Jahren, allerdings bisher nur als Wahlmöglichkeit einer dritten Fremdsprache ab Klasse 9 oder mit Beginn der Oberstufe. Erste Fremdsprache ab Klasse 5 ist grundsätzlich Englisch, als zweite Fremdsprache kann man bisher in Klasse 7 zwischen Latein und Französisch wählen.

Ab dem kommenden Schuljahr erweitert das Dillenburger Gymnasium auf vielfachen Schüler- und Elternwunsch in der siebten Jahrgangsstufe das Angebot: Nun kann man auch Spanisch schon als zweite Fremdsprache erlernen. Einzige Voraussetzung: etwas Losglück. Denn es wird nur eine siebte Spanisch-Klasse geben. Warum diese Beschränkung gilt und wie das neue Angebot aussehen soll, erklären Schulleiter Martin Hinterlang und Fachsprecherin Ana Maria Zimmermann in einem Interview:

FRAGE: Frau Zimmermann, Sie unterrichten seit 2009 Spanisch an der WvO. Seitdem ist die Nachfrage, diese Sprache schon ab Klasse 7 lernen zu können, spürbar gestiegen. Woran liegt das?

Frau Zimmermann: Ja, in der Tat. Seit Beginn meiner Tätigkeit an der WvO ist eine ganz klare Tendenz erkennbar: Die Nachfrage stieg in den letzten Jahren stetig und steigt noch immer an. Ich hatte zuerst mit einer AG begonnen, danach kam eine zweite AG hinzu. Anschließend erweiterten wir das Angebot und konnten aufgrund der Nachfrage Spanisch im Wahlunterricht als fortgeführte Fremdsprache bis zum Abitur anbieten. Im Jahre 2014/15 konnte ich dann die ersten Schülerinnen im mündlichen Abitur prüfen.

Also, die Vorliebe für Spanisch liegt u.a. daran, dass viele Schüler immer mehr Kontakt mit der spanischen Sprache bekommen. Sei es über den gemeinsamen Familienurlaub in Spanien oder die aktuellen Sommerhits, die sie rauf und runter hören und den Schülern häufig als Ohrwurm im Gedächtnis bleiben. Manche sind fußballbegeistert, stehen hinter einem spanischen Fußballclub und sind Fans spanischer Spieler. Andere haben bereits Kontakte zu spanischen Muttersprachlern gehabt. Nicht zuletzt sagen mir auch Schüler immer wieder, mehrere Fremdsprachen zu beherrschen gehöre zur Allgemeinbildung und sei „ein Trumpf“ im späteren Berufsleben, da Spanisch eine Weltsprache sei.

FRAGE: Könnte es nicht auch sein, dass die Schüler Spanisch für einfacher halten als Latein oder Französisch?

Frau Zimmermann: Ja, das stimmt. Viele Schüler vergleichen den Schwierigkeitsgrad der Grammatik in Französisch und Spanisch. Die meisten empfinden, dass die spanische Grammatik und besonders die Aussprache für sie leichter und schlüssiger sei. Zumindest zu Beginn im Anfangsunterricht ist das sicherlich auch der Fall. Also der Einstieg ins Spanische fällt den meisten Schülern leichter. Aber andererseits darf sich da auch keiner was vormachen: In jeder Sprache muss man fleißig Vokabeln lernen und die Anwendung üben; das ist in Spanisch genauso wie in Latein oder Französisch!

FRAGE: Herr Hinterlang, wenn die Nachfrage von Eltern und Schülern doch so groß ist, Spanisch bereits ab Klasse 7 zu wählen – warum dann die Beschränkung auf eine Klasse?

Herr Hinterlang: Das ist aus Schülersicht natürlich zunächst mal unverständlich. Es ist aber eine Ressourcenfrage: Wir haben zur Zeit vier Spanisch-Lehrkräfte an der Schule, aber auch viele Französisch- und Latein-Kollegen. Deshalb können wir nur das anbieten, was wir mit Fachpersonal abdecken können.

FRAGE: Und wenn ich nun Pech beim Auslosen habe und nicht in die Spanischklasse komme – welche Optionen habe ich dann?

Herr Hinterlang: Im ersten Moment ist man dann sicher etwas enttäuscht, davon geht die Welt aber nicht unter. Schließlich kann man dann auch noch in Klasse 9 mit Spanisch anfangen oder zu Beginn der Oberstufe. Sprachbegabten Schülern würde ich diese Vorgehensweise sowieso anraten: Wer mehr als zwei Fremdsprachen erlernen möchte, tut gut daran, in der siebten Klasse erst mal auf Latein oder Französisch zu setzen, denn Spanisch kam in den letzten Jahren auch in Klasse 9 und 11 sehr verlässlich als Kurs zustande.

FRAGE: Wann und wo wird denn über die zweite Fremdsprache informiert bzw. gewählt? Und wie funktioniert das Auslosen, falls es mehr Interessenten für Spanisch gibt als freie Plätze?

Herr Hinterlang: Die jetzigen sechsten Klassen bekommen in allen drei Sprachen eine Schnupperstunde angeboten. Da kann man ganz praktisch einen Eindruck vom Unterricht gewinnen. Und am 6. März 2019 gibt es dann um 19:00 Uhr im Atrium einen Info-Abend für die Eltern. Dort erklären wir nochmal das komplette Angebot und wie das Wahlverfahren abläuft.

FRAGE: Haben Sie, Frau Zimmermann, einen heißen Tipp für die neuen Spanisch- Schüler? Was muss man machen, um möglichst rasch fit in der Sprache zu sein?

Frau Zimmermann: Es gibt dafür ein ganz einfaches „Rezept“: Interessierte Schüler sollten Freude an der spanischen Sprache und der neuen Kultur haben. Viele Schüler hatten bereits Kontakt zur spanischen Sprache auf Urlaubsreisen und möchten ihre Sprachkenntnisse an unserer Schule aufbauen und vertiefen. Je größer die Motivation zum Erlernen einer Sprache ist, desto schneller ist man fit in dieser Sprache.

©2019 Fragen und Fotos: Markus Hoffmann, WvO

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 Ana Maria Zimmermann war vor fast zehn Jahren die erste Spanischlehrerin an der WvO. Mittlerweile unterrichten dort vier Lehrkräfte diese Weltsprache.
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Schulleiter Martin Hinterlang beantragte auf vielfachen Wunsch aus der Schüler- und Elternschaft bei der Schulkonferenz und bei Staatlichen Schulamt die Zulassung von Spanisch als zweiter Fremdsprache zum kommenden Schuljahr.