Im All und zur See, in Vergangenheit und Zukunft

150 WvO-Abiturienten erhalten ihre Zeugnisse, dabei dreimal 1,0

Die Wilhelm-von-Oranien-Schule (WvO) hatte ihre Absolventen sowie deren Eltern und Familien zur feierlichen Zeugnisverleihung in die Herborner Konferenzhalle geladen. Neben den Jahrgangsbesten und den Preisträgern für besondere Verdienste wurden auch sechs Jubilare geehrt, die 1948 – also vor siebzig Jahren – ihr Abitur am Dillenburger Gymnasium abgelegt hatten.

Oberstudiendirektor Martin Hinterlang begrüßte alle Gäste und referierte die Leistungsbilanz des diesjährigen Abiturjahrgangs: Insgesamt erzielten alle Schülerinnen und Schüler, die die Allgemeine Hochschulreife erwarben, einen Notendurchschnitt von 2,47. Dabei schafften gleich drei Abiturienten – Luisa Gerstweiler, Julia Müller und Edin Huduti – die Traumnote 1,0, wofür sie im späteren Verlauf der Feier gesondert geehrt wurden.

Sowohl Hinterlang wie auch die anderen Redner der Feier maßen das Leben nach der Schule bildlich sehr weiträumig aus: Der Schulleiter verglich aus aktuellem Anlass – "Astro-Alex" Gerst lässt grüßen – das schulische Lernen mit einem Parabelflug, bei welchem sich Phasen der An- und Entspannung abgewechselt hätten, um nun nach bestandenem Training fit zu sein für den Flug ins All.

Elternbeiratsvorsitzender Heiko Lauber beschrieb das Leben als eine Segeltour zur See; nach dem Wechsel von der Grundschule aufs Gymnasium stehe nun wieder der Umstieg in ein noch größeres Boot an; wichtig sei es, richtig Navigieren gelernt zu haben, aber auch zu wissen, in welchem Heimathafen man in stürmischen Zeiten vor Anker gehen könne. Jakob Pfeifer als Vertreter der Abiturienten bedankte sich anschließend bei den Eltern und Lehrkräften mit humorvollem Augenzwinkern bzw. der einen oder anderen Insider-Spitze für die Unterstützung in der vergangenen Schulzeit.

Historisch weit ausgemessen war auch der gemeinsame Beitrag von Oberstudienrätin Kati Weigel, die für die Tutoren des Jahrgangs sprach, und Prof. Dr. Hans W. Decker, der gewissermaßen als "Klassensprecher" der 1948er-Abiturienten fungierte. Trotz der großen Altersspanne - die eine Ende dreißig, der andere Ende achtzig – fühlten sie sich beide verbunden, denn sie seien jeweils in Diktaturen aufgewachsen – Decker im NS, Weigel in der DDR. Daran anknüpfend richtete das Duo ein flammendes Plädoyer für die individuelle Freiheit an die jungen Schulabsolventen. Decker holte historisch noch weiter aus und suchte nach Lehren aus der Menschheitsgeschichte, die man mitgeben könne: Er konstatierte jedoch, dass die Erkenntnisse der Menschheit unterm Strich bescheiden geblieben seien. Umso wichtiger sei es für jeden Einzelnen, zwischendurch immer wieder innezuhalten und vernünftig zu reflektieren, wer man sei bzw. welches Potenzial in einem selbst schlummere; oder präziser mit Friedrich Nietzsches Worten: "Werde, der du bist."

Prof. Dr. Decker und seine fünf Klassenkameraden aus dem Abiturjahr 1948, die seit 2014 jährlich auch als Zeitzeugen im Geschichtsunterricht der WvO auftreten, erhielten von Schulleiter Hinterlang ein besonderes Geschenk: Neben einer Urkunde zum siebzigjährigen Abitur förderte er Fundstücke aus dem Schularchiv zutage. Die 1939 in Dillenburg Eingeschulten erhielten die Schülerkarteikarten von damals und durften diese mit nach Hause nehmen. Auf allen stand in der letzten Zeile unter "Weitere Bemerkungen" in fein säuberlicher Handschrift lapidar notiert: "Abitur".

Zuvor waren aber auch noch die Preisträger des gegenwärtigen Abiturjahrgangs zu ehren: Für sein besonderes schulisches Engagement in der Schülervertretung und im Jahrgang wurde Jakob Pfeifer, der auch schon die Abiturientenrede gehalten hatte (kein Wunder, siegte er doch auch mehrfach im Schulwettbewerb "Jugend debattiert"), vom Vorsitzenden des Fördervereins "Wilhelms Freunde e.V." Dr. Bernd Peter mit dem "Diamant 2018" ausgezeichnet. Zwei weitere Sonderpreise für schulisches Engagement, speziell im Bereich Medien, erhielten Florian Broda und Lukas Moos aus den Händen von Bürgermeister Michael Lotz, nämlich das "Goldene Mikrophon" und die "Goldene Kamera".

Weiter ging es mit der Ehrung besonderer fachlicher Leistungen. Hier sind schon seit vielen Jahren zwei Förderer aus der Dillenburger Wirtschaft verlässliche Kooperationspartner der Schule: Klaus-Achim Wendel verlieh den nach seinem Vorfahren Karl Wendel benannten Preis an die besten Abiturienten in den naturwissenschaftlichen Fächern, nämlich Edin Huduti (Studienstipendium über EUR 1.500,-) und Florian Kreuter (EUR 750,-). Stefan Hoffmann von der Firma Weber überreichte den Weber Talenteers Award – jeweils einen Tablet-PC – an leistungsfähige Schüler, die Naturwissenschaften erfolgreich mit sprachlichen Leistungen oder gesellschaftlichem Engagement verbinden konnten; hier wurden Luisa Gerstweiler, Felix Schnaubelt und Leon Petri ausgezeichnet.

Weitere Urkunden- und Buchpreise für hervorragende Leistungen erhielten von diversen Bundesfachverbänden außerdem Julia Müller (bestes Abitur in Latein), Sarah Cridotto (Politik & Wirtschaft), Chantal Saalbach (Erdkunde), Dana Sensen (Ethik), Felix Schnaubelt (Chemie) und Luisa Gerstweiler (Mathematik und Physik).

Musikalisch umrahmt wurde die Feier von den beiden Musiklehrern Nicolas Grebe (Trompete) und Martin Giebeler (Flügel), die mit den bekannten Soloklassikern "Trumpet Tune" und "Trumpet Voluntary" der Zeugnisverleihung eine festliche Atmosphäre verliehen.

©2018 Text & Fotos: Markus Hoffmann

Bildergalerie
(zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Alle für besondere Leistungen Geehrten sowie Laudatoren (von links): Sarah Cridotto (Politik & Wirtschaft), Leon Petri (Weber Talenteers Award), Julia Müller (1,0 und Latein), Florian Kreuter (Karl-Wendel-Preis), Klaus-Achim Wendel, Edin Huduti (1,0 und Karl-Wendel-Preis), Bürgermeister Michael Lotz, Lukas Moos (Goldene Kamera), Dana Sensen (Ethik), Florian Broda (Goldenes Mikrophon), Felix Schnaubelt (Chemie, Weber Talenteers Award), Jakob Pfeifer (Diamant), Dr. Bernd Peter von Wilhelms Freunde e.V., Luisa Gerstweiler (1,0 und Weber Talenteers Award, Mathematik, Physik), Stefan Hoffmann, Martin Hinterlang
Die drei Abiturienten mit Note 1,0 waren Julia Müller (2.v.l.), Edin Huduti (Mitte) und Luisa Gerstweiler (2.v.r.); daneben Studienleiterin Andrea Stühler (l.) und Schulleiter Martin Hinterlang (r.)
Die Jubilare zum siebzigjährigen Abitur mit "Klassensprecher" Prof. Dr. Hans W. Decker (2.v.r.) und Studienleiterin Andrea Stühler (l.) sowie Schulleiter Martin Hinterlang (r.) 
 
Der komplette Abiturjahrgang 2018 der Wilhelm-von-Oranien-Schule